Den Begriff Prokrastination hast Du bestimmt schon einmal gehört. Prokrastination, dahinter verbirgt sich die „Aufschieberitis“, also das Aufschieben von unangenehmen Aufgaben. Vielleicht kennst Du das auch: Du hast eigentlich etwas Wichtiges und Dringendes zu erledigen, aber weil diese eine Aufgabe aus irgendeinem Grund anstrengend oder unangenehm ist, vielleicht auch weil sie so umfangreich ist, schiebst Du sie vor Dir her und beschäftigst Dich stattdessen mit anderen Dingen, die eigentlich in dem Moment total unwichtig sind. Mein Mann wusste während meines BWL-Studiums immer genau, wann ich auf Prüfungen zu lernen hatte: Nämlich immer dann, wenn die Fenster in unserer Wohnung geputzt waren…

Prokrastination vs. Präkrastination 

Es gibt auch ein Phänomen, was genau das Gegenteil beschreibt: Die Präkrastination. Menschen, die gerne „präkrastinieren“ haben den Drang, alles sofort zu erledigen. Sie hassen es, wenn Dinge liegen bleiben. E-Mails beantworten sie quasi in der Minute, in der sie eingehen, Rechnungen bezahlen sie sofort und im Supermarkt laden Sie den Sack Kartoffeln gleich zu Beginn in den Korb, auch wenn das bedeutet, dass sie dann während des kompletten Einkaufs schon schwer zu tragen haben.

Der zwanghafte Wunsch alles abzuarbeiten

Tatsächlich ist das schnelle Erledigen von Aufgaben für viele Menschen verlockend. Denn so ein Haken auf der To-do-Liste ist etwas Befriedigendes. Und das Gedächtnis wird erleichtert, wenn wir eine Sache angehen, da wir dann nicht mehr an sie denken müssen. Außerdem fühlt es sich gut an, wenn wir uns einem Ziel schneller nähern. Daher werden bei einer langen To-do-Liste gerne auch erst die vielen kleinen Aufgaben abgehakt, weil dann der Eindruck ensteht, dass man das Ziel eher erreicht – auch wenn das letzte To-do länger dauert als alle vorherigen zusammen. Das Phänomen kann man übrigens auch beobachten, wenn Menschen mit vielen Tüten vom Einkaufen nach Hause kommen und diese von der Garage ins Haus tragen: Man nimmt zu Beginn so viel Tüten wie man tragen kann und hat möglicherweise in der letzten Fuhre nur noch eine Tüte in der Hand – anstatt alle Tüten gleichmäßig zu verteilen. Denn schneller ist man trotzdem nicht. 

Die 5 Nachteile der Präkrastination

Jetzt könnte man sich die Frage stellen, wo das Problem an der Präkrastination liegt. Ich sehe darin vor allem 5 Nachteile:

  1. Wer sich immer nur auf die schnellen und einfachen To-dos auf der Aufgabenliste konzentriert, kommt vielleicht nicht zu der einen wirklich wichtigen, aber vielleicht arbeitsintensiven Aufgabe am Ende der Liste. Das wiederum führt zur Prokrastination.
  2. Es können eher Fehler entstehen, wenn der Fokus vor allem darauf liegt, möglichst viel in kurzer Zeit zu erledigen.
  3. Themen, Aufgaben oder Projekte werden möglicherweise zu schnell erledigt, aber dafür nicht richtig durchdacht. 
  4. Berufliche Präkrastination kann zu privater Prokratination führen. Wer zwanghaft versucht, im Job so viel wie möglich zu erledigen, schiebt unter Umständen seine privaten Wünsche und Träume nach hinten, weil er auch nach Feierabend noch schnell etwas berufliches erledigen möchte. 
  5. Präkrastination kann zu hyperaktivem Stress ausarten. Wer sich ständig im „Abarbeit-Modus“ befindet, findet keine Ruhe mehr für tiefergehende Überlegungen, das Schmieden von Plänen.

So findest Du den richtigen Mittelweg

Es gilt also nun, den richtigen Mittelweg zwischen Pro- und Präkrastination zu finden. Meine Tipps dazu: 

  • Setze die richtigen Prioritäten. Mach Dir bewusst, welche Aufgaben wirklich wichtig und dringend sind und konzentriere Dich in erster Linie auf diese To-dos. 
  • Mache Dir bei jeder Aufgabe klar, bis wann sie fertig sein muss. Zeitkritische Aufgaben musst Du natürlich sofort erledigen.
  • Arbeite mit einem Tagesplan und reserviere Dir eine Zeit, in der Du die Aufgaben erledigst, die aufwändiger und anspruchsvoller sind.
  • Weniger zeitkritische Aufgaben musst Du auch nicht sofort erledigen. Manchmal macht es sogar Sinn, sie noch einmal zu überdenken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich kritische E-Mails, die ich sofort nach Eingang beantworte, hinterher entweder ergänzen muss oder möglicherweise anders formulieren würde. Seit dieser Erfahrung lass ich meine Antwort auf solche E-Mails gerne mal eine Stunde warten, weil sich bis dahin meine Gedanken noch einmal anders sortiert haben.
  • Hinterfrage auch immer wieder, ob Dich die aktuelle Aufgabe gerade wirklich in Deinen persönlichen Zielen weiterbringt. Tut sie das nicht, überlege, ob Du dieses To-do vielleicht delegieren oder ganz weglassen kannst. 

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Dunja Schenk hat 4,89 von 5 Sternen | 72 Bewertungen auf ProvenExpert.com